Mit dem Wohnmobil durch die Provence





23. Juli 2010: Les Salles-sur-Verdon – Digne-les-Bains – Seyne-les-Alps

Es war 8:10 Uhr, als Andreas von einem leisen, konstanten Geräusch geweckt wurde: Pitsch-patsch, pitsch-patsch. Kleine Regentropfen trommelten auf das Dach unseres Wohnmobils. Auf dem Campingplatz herrschte bereits geschäftiges Treiben: einige unserer Nachbarn bauten in aller Eile ihr Zelt ab, die meisten anderen Camper waren von den vereinzelten Tropfen aber unbeeindruckt, gingen in aller Ruhe zum Waschraum oder bereiteten das Frühstück vor.
Andreas beobachtete das Geschehen und die Wetterentwicklung bis etwa 8:30 Uhr, dann holte er die bestellten Croissants und Baguette. Leider gab es vorerst jedoch keine Wetterbesserung, daher blieben alle noch bis 9:15 Uhr liegen. Als der Regen endlich nachließ und schließlich sogar ganz aufhörte ging es dann aber zügig vorwärts. Frühstück, Packen und Aufräumen waren inzwischen Routine und so waren wir trotz des späten Starts in den Tag gegen 11:30 Uhr abfahrbereit. Eine Uferstraße nach Bauduen war laut unserem Reiseführer zwar seit Jahren geplant, doch scheiterte es bisher an der Umsetzung. Daher fuhren wir in Richtung Aups auf der D957, verließen diese aber nach einigen Kilometern, um wieder näher an den See zu gelangen.

     

Nach einem kurzen Abstecher in das malerische Bauduen, welches mit einer Reihe Cafés an der Uferpromenade und einem großen Bootssteg für Yachten und Ausflugsboote aufwartete, fuhren wir am Ufer des Lac-Sainte-Croix weiter in Richtung Riez. Wir genossen die Ausblicke auf kleine, einladende Badebuchten und über den türkisblauen See hin zu den Verdon-Bergen, durch die wir in den vergangenen Tagen gefahren waren.

     

Die Straße wand sich allmählich am Westufer des Sees empor und die Aussichtsplätze auf den See wurden seltener. Wir wollten nach einer Bademöglichkeit Ausschau halten und folgten dem Abzweig in Richtung Sainte-Croix-du-Verdon. Die Straße führte zwar bis zu einem Parkplatz am Ufer, doch da wir nicht wussten, ob wir um diese Zeit dort noch unterkommen würden, parkten wir unser Wohnmobil auf einem extra dafür ausgewiesenen, tagsüber kostenlosen Stellplatz in halber Höhe und liefen dann hinunter zum See. Dort angekommen stellten wir fest, daß der halbe Parkplatz noch leer war und wir sicher keine Probleme gehabt hätten, unser „Dickschiff“ dort unterzubringen… Egal, jetzt wollten wir baden. Also suchten wir einen Platz am kiesigen Ufer wo wir uns niederließen, zogen die Badesachen an und erfrischten uns im angenehm temperierten Wasser. Die Kinder hatten eine Menge Spaß und Vincent brachte seiner kleinen Schwester Schwimmbewegungen bei, so daß diese mit Ihren Schwimmärmeln schon ganz prima im Wasser voran kam.

       

Allmählich füllte sich der Strand und nach einer kleinen Pause zum Aufwärmen und nochmaligem ausgiebigem Badevergnügen zogen wir uns wieder an und kehrten zurück unserem Wohnmobil. Unterwegs gab es an einem kleinen Imbissstand für alle ein Eis, damit wurde der steile Weg bergauf ein wenig versüßt. Wir fanden das Fahrzeug in praller Sonne stehend und waren uns rasch einig, hier und jetzt kein Mittagessen richten zu wollen. Stattdessen wollten wir auf der Weiterfahrt Ausschau nach einem Picknickplatz halten. Wir fuhren entlang der D11, welche sich kurvenreich, aber breit, durch duftende Lavendelfelder in Richtung Riez schlängelte. Ein Rastplatz nahe der Straße war auch bald gefunden, jedoch war dieser derart verschmutzt, daß uns jeder Gedanke an ein Mittagessen sofort verging. Inzwischen war es bereits 15:00 Uhr, daher beschlossen wir, zunächst unsere Vorräte aufzufüllen, dabei einen kleinen Snack zu uns zu nehmen und dann zum Abendbrot etwas Warmes zu essen. So fuhren wir weiter bis Riez, kauften dort im Intermarché ausgiebig ein und fanden auch eine schnelle Mahlzeit für zwischendurch: Lisa und Vincent aßen Würstchen und Brot, während wir uns Couscous-Salat mit Baguette schmecken ließen. Über die D953 und die D907 ging es anschließend weiter nach Digne-les-Bains. Die Landschaft änderte sich dabei komplett: Sanfte Hügel gingen allmählich über in schroffe Felsen und es bot sich uns ein phantastisches Alpenpanorama. In Digne hatten wir Zweifel an der ausgeschilderten Routenführung für Fahrzeuge über 3m Höhe und folgten zunächst der Schwerlastroute. Das bescherte uns eine Ehrenrunde durch den Ort, die sich jedoch als recht interessant herausstellte. Erstmals seit Tagen sahen wir wieder eine westeuropäisch anmutende Stadt, nicht mehr nur enge Gassen und Natursteinhäuser sondern moderne Architektur. Ab dem Ortsausgang wand sich die Straße in engen, unglaublich steilen Kehren auf über 1200m Höhe, wobei es immer wieder tolle Aussichtspunkte gab. Die Route stieg weiter an und bei etwa 1500m passierten wir die Zufahrt zu einem Skigebiet.

       

Es schloss sich die Abfahrt in ein wunderschönes Tal an, an dessen Ende wir den Ort Seyne-les-Alps erreichten. Hier hatten wir uns einen Campingplatz ausgesucht, der über einen Pool verfügte und verhältnismäßig preiswert war. Wir folgten der Ausschilderung, die sich jedoch irgendwo im Ort verlor. Entsprechend hatten wir bald den Ortsausgang erreicht, ohne auch nur eine Spur des Campingplatzes entdeckt zu haben. Hier musste wieder einmal das GPS helfen; wir programmierten die im Campingplatzführer angegebenen Koordinaten und stellten fest, daß wir offensichtlich schon 5km zu weit gefahren waren. Also hieß es kehrt und natürlich entdeckten wir beim Wenden ein Hinweisschild zu dem von uns gesuchten Platz. Mit dem GPS fanden wir eine unscheinbare Einfahrt, welche später in eine enge Straße mündete . Als uns dann auch noch ein Traktor mit voll beladenem Hänger entgegen kam und nahezu die gesamte Straßenbreite für sich beanspruchte, waren wir mit den Nerven fast am Ende. Doch kurz darauf erreichten wir endlich die Einfahrt zum Campingplatz und bekamen einen wunderschönen Wiesenplatz zugeteilt. Lisa stürmte sofort begeistert auf den riesengroßen, liebevoll angelegten Spielplatz, während Vincent es sich mit dem Nintendo auf seinem Bett gemütlich machte. Mag es an der fortgeschrittenen Zeit gelegen haben - es war unterdessen 18:40 Uhr – oder an der Höhe, in der wir uns hier befanden. Jedenfalls hatte es sich deutlich abgekühlt. Das Thermometer zeigte zwar noch 24°C, doch fühlte es sich deutlich kälter an und wir waren im Zweifel, ob wir wirklich noch in den so lang ersehnten Pool springen sollten. Zumindest anschauen wollten wir ihn uns aber und als wir dann vor dem gut gepflegten und sogar beheizten Becken standen, gab es doch kein Halten mehr. Wir genossen die wohltuende Erfrischung, doch da die Luft kühler war als das Wasser, dehnten wir das Bad nicht allzu sehr in die Länge. Zum Aufwärmen spielten Andreas und Lisa Federball, während sich Vincent wieder mit dem Nintendo im Bett verkroch. Eigentlich wollte Andreas ja die Zeit bis zum Abendbrot nutzen, um gleich den Reisebericht zu aktualisieren. Aber Lisa bestand darauf, daß er sie eine Weile auf den Spielplatz begleitete. Dort fand sie jedoch sehr schnell wieder Anschluss an andere Kinder und so hatte Andreas Zeit, im Licht der letzten Sonnenstrahlen ein paar schöne Aufnahmen von der Umgebung zu machen.

       

Abendessen gab es draußen unter der Markise des Wohnmobils. Allerdings zogen wir uns warme Sachen an, denn nach dem Sonnenuntergang war die Temperatur rasch bis auf 14°C gefallen. Nachdem die Kinder ins Bett gebracht waren, wurden noch rasch die Fotos gesichert und der Rest der gestern geöffneten Weinflasche geleert. Gegen 23:00 Uhr verzogen aber auch wir uns ins warme Bett…


Gefahrene Strecke: 140 km
Übernachtung: Camping Le Prairie (33 €)




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