20. Juli 2010: Rustrel – Gréoux-les-Bains
Um 8:30 Uhr standen wir auf und während Andreas das Frühstück vorbereitete, besorgte Doreen frische Croissants im Shop des Campingplatzes. Anschließend folgte die morgendliche Routine und gegen 11:00 Uhr verließen wir den Campingplatz. Über die immer wieder von Weinfeldern gesäumte D22 fuhren wir nach Gignac und später weiter auf der D51 Richtung Simiane-la-Rotonde. Den reizvollen Abstecher nach Oppedette und zur nahegelegenen Gorge-de-Oppedette ließen wir ganz bewusst weg. Unser Reiseführer warnte ausdrücklich davor, diese Route mit einem größeren Wohnmobil zu fahren und wir hatten die Lektionen des letzen Tages gelernt…
Die Landschaft war abwechslungsreich, leicht geschwungene Hügel wechselten sich mit weinbebauten Ebenen und den für die Provence so typischen Bergdörfern ab.
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Kurz vor 12 Uhr erreichten wir die ersten Ausläufer von Banon und entdeckten sogleich den Hinweis auf die berühmte Fromagerie. Hier wird seit Generationen Ziegenkäse hergestellt, der traditionell in Kastanienblätter verpackt wird, was ihm ein ganz besonderes Aroma verleiht. Das Hinweisschild warb mit Werksverkauf und Verkostung, also steuerten wir die Käserei direkt an. Doch als wir dort ankamen, folgte sogleich die Enttäuschung: Für Besucher war ausschließlich zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet. So lange wollten wir nicht warten und wir ärgerten uns erneut über den gestern sinnlos auf schmalen Sträßchen vergeudeten Tag. Wären wir gleich am Morgen nach Rustrel gefahren, hätten wir die Ockerbrüche nicht in den heißen Nachmittagsstunden besuchen müssen, hätten insgesamt mehr Zeit zum Besichtigen dort gehabt und wären anschließend pünktlich zu den Öffnungszeiten hier an der Fromagerie gewesen… Egal, hinterher ist man immer klüger!
Wir fuhren zurück in den Ort und folgten dann der D950 nach Forcalquier. Hier konnten wir in einem Intermarché unsere Vorräte wieder aufstocken, wobei natürlich auch einige Kostproben Ziegenkäse aus Banon (Schutzmarke Banon de Banon) den Weg in unseren Einkaufskorb fanden. Auf der Weiterfahrt änderte sich die Landschaft allmählich, die vielen Weinberge wichen nach und nach duftenden Lavendelfeldern, die sich in kräftigem Violett teilweise bis zum Horizont erstreckten. Inzwischen war es früher Nachmittag und wir suchten nach einem schönen Picknickplatz für eine Pause. Entlang der schmalen Landstraßen war lange Zeit kein geeignetes Plätzchen zu entdecken, erst als wir auf die A51 Richtung Ganagobie wechselten, fanden wir nach kurzer Zeit einen schattigen Rastplatz am Waldrand. Während Doreen das Essen kochte, besetzte Andreas schon mal einen der Tische. Doch schon nach wenigen Minuten kam er genervt zurück; um die Picknicktische herum wimmelte es von Ameisen. Daher gab es heute Mittagessen im Wohnmobil. Lisa schlief kurz darauf ein und so verlängerten wir die Pause bis ca. 16:00 Uhr. Dann ging es aber wirklich weiter, immer im Tal des Durance entlang bis nach Les Mées. Schon von Weitem konnten wir die Zipfelmützen der Pénitents des Mées erkennen, welche der Grund für unseren heutigen Schlenker nach Norden waren.
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Wir fanden einen kleinen Rastplatz direkt unterhalb der Felsformation, wo wir das Wohnmobil abstellten. Andreas wollte das Gebiet gern ein wenig aus der Nähe erkunden. Doreen war jedoch nur wenig begeistert, weil dies wieder eine Wanderung in den heißen Nachmittagsstunden bedeutete und die Kinder wollten auch lieber weiter DVD schauen. Es kostete einiges an Überzeugungsarbeit, bis alle überein kamen, zumindest ein Stück des Weges zu laufen. Zu Beginn entsprach der Wanderweg dem Verlauf einer kleinen Straße, später bog ein schmaler Pfad ab, der direkt unterhalb der Felsen verlief.
Teilweise bot das Blätterdach der Bäume ein wenig Schatten, dann wieder gab es Strecken, die in der prallen Sonne lagen. Die Aussicht wurde nicht wirklich besser, daher beschloss Doreen nach einiger Zeit, nicht mehr weiter zu gehen, sondern an dieser Stelle auf die Rückkehr von Andreas und den Kindern zu warten.
Die Drei gingen noch ein paar hundert Meter weiter bis zu einer kleinen Höhle. Dann kehrten aber auch sie um, denn weitere lohnende Highlights waren nicht zu entdecken und die Zeit schritt unbarmherzig voran.
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Von Les Mées aus folgten wir dem Verlauf der D4, die sich unglaublich kurvenreich vom Ufer des Durance weg, durch dichten Wald hindurch, bergan wand. Allmählich lösten Obstbäume die Lavendelfelder ab und wir erreichten ein Hochplateau. Am Horizont konnte man bereits an der einen oder anderen Abbruchkante erahnen, wo sich unser morgiges Ziel, die Gorge du Verdon, auftat. Am frühen Abend erreichten wir Gréoux-les-Bains, einen Kurort am Rande des Parc Naturel Régional du Verdon. Hier herrschte pulsierendes Leben, Touristen strömten durch die Gassen und ein Hotel reihte sich an das nächste. Wir fuhren zunächst zum Camping la Pinede, dem laut ADAC-Campingführer schönsten Platz der Region mit allen denkbaren Annehmlichkeiten, inklusive Pool natürlich. Doch hier war kein Platz mehr zu bekommen, alles bereits belegt. Also fuhren wir weiter zum direkt nebenan gelegenen Camping Regain, der sich laut Beschreibung als ruhige Alternative verstand. Eine Rezeption gab es hier nicht, man sollte bei Bedarf im Bauernhaus vor dem Platz fragen. Auf unser Läuten öffnete eine alte Dame, die schon etwas gebeugt ging und offensichtlich auch nicht mehr gut hören konnte. Ob sie unsere Bitte verstand, konnten wir nicht ergründen. Sie antwortete jedenfalls auf Doreens Frage in irgendeinem Provinz-Akzent, von dem wir kein Wort verstanden. Nach einigen Minuten kam ein französisches Pärchen mit ihrem Auto gefahren, die offensichtlich einen Stellplatz für ihr Zelt suchten. Sie unterhielten sich eine Weile angeregt mit der Dame, aus ihren Minen konnten wir jedoch lesen, daß sie offensichtlich auch nicht die erhofften Informationen bekamen. Glücklicherweise kam in diesem Moment ein Mann mittleren Alters auf einem Traktor im die Ecke gefahren, der unser Anliegen verstand, sich auf ein altes Moped setzte und uns bedeutete, ihm zu folgen. Das war zwar gar nicht so einfach, doch nach ein paar Minuten fanden wir uns auf einem großzügig angelegten, sauberen Caravan-Stellplatz wieder und bekamen einen schönen Rasenplatz zugeteilt. Einen Pool gab es hier zwar nicht, dafür aber Zugang zu einer Badestelle im Fluß mit wundervollem Ausblick hinüber zur Stadt.
Wir richteten uns erst einmal ein, erkundeten dann den Platz und seine Einrichtungen genau und gingen anschließend auch noch mit den Kindern zum Baden. Das Wasser war natürlich deutlich kälter als in einem Pool. Aber es erfrischte ungemein und wir hatten die Badestelle die ganze Zeit für uns allein. Zum Abendessen setzten wir uns unter die Markise neben unser Wohnmobil. Danach brachten wir die Kinder ins Bett, sicherten die Fotos und ein paar Reisenotizen auf dem Netbook und ließen den Tag bei einer Flasche Rotwein gemütlich ausklingen.
Gefahrene Strecke: 125 km
Übernachtung: Regain Camping (23 €)
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