Mit dem Wohnmobil durch die Provence





14. Juli: Vaison-La Romaine – Villes-sur-Auzon

Heute ist französischer Nationalfeiertag. Wir stehen erneut um 8:30 Uhr auf; einfach unglaublich, diese Regelmäßigkeit.
Der Tag begrüßt uns wieder mit strahlendem Sonnenschein und so ziehen wir nach dem Frühstück und dem Zusammenpacken unserer Sachen noch einmal los in Richtung Pool, um uns zu erfrischen. Während Vincent die riesige Rutsche lieber aus sicherer Entfernung betrachtet und im großen Becken seine Runden schwimmt, kann Lisa gar nicht genug vom Rutschen kriegen und probiert zusammen mit Andreas alle Bahnen mehrfach aus.
Gegen 11:00 Uhr ist dann aber wirklich Abfahrt; wir wollen das schöne Wetter und die tolle Sicht heute nutzen und auf den Mont Ventoux fahren, der schon aus der Ferne grüßt.

       

Zunächst jedoch ist Vaison-la-Romaine unser Ziel, eine kleine, alte Stadt mit einem gut erhaltenen römischen Amphitheater und einem Chateau, welches auf einem Hügel oberhalb des Ortes thront. Wir drehen mit unserem Gefährt mehrere Runden durch den Ort, können jedoch keinen geeigneten Parkplatz finden. Die in unserem Reiseführer empfohlenen Plätze gegenüber der Besucherinformation sind mit einem Balken für Fahrzeuge mit weniger als 2,30m beschränkt; man will hier offensichtlich keine Wohnmobile in der Innenstadt. Ein offizieller WoMo-Stellplatz befindet sich etwas außerhalb des Zentrums, hier könnten wir für eine Tagesgebühr von 9€ parken. Nach einer weiteren Runde durch das Zentrum und einem kurzen Halt zwecks Nachfrage in der Besucher-Info bringt die Gewissheit: Außer dem Platz außerhalb gibt es keine Parkmöglichkeiten für Wohnmobile, die Gebühr wird jedoch nur bei Übernachtung fällig. Bei den schon wieder herrschenden Temperaturen von ca. 36° im Schatten wollen wir uns und den Kindern einen längeren Anmarsch in praller Sonne ersparen, zumal es vom Zentrum zum Chateau noch mal ein ganzes Stückchen weiter wäre. Ein kurzer Blick aus dem mit Warnblinkanlage haltenden Wohnmobil in das Areal des Amphitheaters ist alles, was wir dem eigentlich recht hübschen Ort an Aufmerksamkeit noch entgegen bringen, Fotos gibt es keine!
Stattdessen beschließen wir, nach Malaucene zu fahren, einem eher unscheinbaren, kleinen Ort, wo aber jeden Mittwoch ein provencialischer Markt stattfindet. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, zumal der Ort direkt auf dem Weg zum Mont Ventoux liegt. Das Zentrum ist wegen des Marktes für den Autoverkehr komplett gesperrt, also wählen wir hier den hübsch an einem künstlich angelegten See gelegenen Wohnmobilstellplatz und laufen in den Ort hinein. Wir kommen keine Minute zu früh, denn die ersten Händler beginnen schon, ihre Stände wieder abzubauen.

       

So reicht die Zeit gerade noch, um uns einen Überblick über die angebotenen Waren zu verschaffen, den Einkauf fürs Mittagessen machen wir dann aber doch im Laden um die Ecke…
Zurück am Wohnmobil bereitet Doreen das Mittagessen, welches wir an einem schattigen Picknickplatz am See einnehmen. Kurz nach 15 Uhr sind wir soweit, daß wir die Fahrt zum Gipfel des Mont Ventoux fortsetzen können. Die schmale Straße schlängelt sich in weiten Bögen den Berg hinauf, anfangs noch durch dichten Wald, weiter oben dann entlang der kahlen Flanke des Berges.

     

Unterwegs gibt es mehrfach Gelegenheit, den Ausblick auf die Umgebung zu genießen; immer wieder laden Halte- und Aussichtspunkte zum Verweilen ein.

     

Auf dem Gipfel erwartet uns ein kräftiger, kühler Wind. Die Aussicht nach allen Seiten ist aber phantastisch.

     

Wir gehen noch ein paar Meter in Richtung des Observatoriums und schauen uns ein wenig um, dann setzen wir unsere Fahrt in Richtung Sault fort.
Allerdings nur ein kurzes Stück, denn da entdeckt Andreas im Vorbeifahren das Tom-Simpson-Denkmal und stoppt noch einmal. Dieser Gedenkstein ist einem britischen Radprofi gewidmet, der im Jahre 1967 während der Tour de France hier kurz vor dem Erreichend es Gipfels kollabierte und starb.

       

Der Gedenkstein war jedoch nur ein Grund für den Halt; der andere war, daß es hier einen Geocache gibt, den Andreas als seinen ersten außerhalb Deutschlands loggen wollte.
Wir fuhren weiter talwärts und genossen dabei die sich bietenden Ausblicke, bis die Straße wieder zwischen den Bäumen verschwand.
Die engen Kehren erforderten stets ein hohes Maß an Umsicht, nicht nur wegen der entgegenkommenden Autos, sondern vielmehr wegen der vielen Radfahrer, die auf dieser Straße unterwegs waren. Überhaupt scheint sich das Rennradfahren auf Bergstraßen in Frankreich großer Beliebtheit zu erfreuen, in den kommenden Tagen sollten wir noch oft Radfahrer auf schmalen Serpentinenstraßen zu Gesicht bekommen. Bei aller Aufmerksamkeit auf den Verkehr verpassten wir jedoch den Abzweig nach Sault, was wir jedoch erst bemerkten, als wir in Bedouin herauskamen.

     

Ein Blick in die Karte verriet uns, daß wir etwa die Hälfte der kurvenreichen Straße zurückfahren müßten, worauf wir zu dieser fortgeschrittenen Stunde jedoch keine Lust hatten. Die Kinder wollten endlich auf einen Campingplatz, um noch in den Pool springen zu können. Also planten wir kurzerhand um und suchten aus dem Campingführer einen schönen Platz mit Pool in der Nähe heraus. Über schmale Nebenstraßen gelangten wir nach Villes-sur-Auzon, wo wir auf dem Campingplatz Les Verguettes unterkamen. Das Einrangieren unseres Gefährtes unter den tief hängenden Ästen war gar nicht so einfach, wurde aber im zweiten Anlauf souverän gemeistert. Wie versprochen war der Pool dann der erste Anlaufpunkt für die Kinder. Und das war auch gut so, denn nach einer halben Stunde schloss die Poolanlage und wir waren froh, noch in den Genuss dieser Erfrischung gekommen zu sein. Anschließend spielten Lisa und Vincent noch mit den Kindern unserer belgischen Platznachbarn, bis diese zum Abendessen ist Restaurant des Platzes aufbrachen. Da wir im Vorbeigehen etwas von Pizza gelesen hatten, wollten wir den Kindern eine Freude machen und ebenfalls essen gehen. Aber vor Ort stellte sich heraus, daß aufgrund des heutigen Tagesangebotes von Moules&Frittes keine Pizza gebacken wurde und die Enttäuschung war groß. So gab es denn doch Abendessen vor dem Wohnmobil, die Kinder bekamen die restlichen Spaghetti vom Mittag und waren damit auch ganz zufrieden.
Anschließend spazierten wir noch eine kleine Runde über den Platz, brachten dann die Kinder ins Bett und setzten uns noch für ein paar Minuten bei eisgekühltem Aperol mit Bitter Orange nach draußen. Lange blieben wir jedoch auch nicht mehr wach und verschwanden auch recht bald im Alkoven des Wohnmobils.


Gefahrene Strecke: 85 km
Übernachtung: Camping Les Verguettes (34€)




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